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Das Wort Homöopathie stammt aus dem Griechischen und beinhaltet die Worte „homoion“, was so viel bedeutet wie gleich, ähnlich, und „pathos“, das mit Leiden übersetzt wird. Homöopathie ist also die LEHRE VON DER HEILUNG DURCH DAS DEM LEIDEN ÄHNLICHE: „Similia similibus curentur“. Mit diesem Prinzip, dem Ähnlichkeitsprinzip, sind Heilungen überhaupt möglich.

Und was bedeutet dieses Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu heilen? Die Symptome des Erkrankten müssen den Symptomen und Wirkungen des homöopathischen Arzneimittels ähnlich sein.

Punkt 1: Ähnlichkeitsgesetz

Diejenige Substanz kommt beim Erkrankten zum Einsatz, die beim Gesunden (im Rahmen der Arzneimittelprüfung, s. Punkt 2) ähnliche Symptome und Wirkungen hervorruft, die denen der betreffenden Krankheit ähnlich sind, ohne aber die Krankheit selbst auszulösen.

Punkt 2: Arzneimittelprüfung

Voraussetzung für die Anwendung von Homöopathika war und ist heute noch das Testen der Arznei am Gesunden.

Punkt 3: Potenzierung

Viele Jahre betrieb Hahnemann seine Erforschungen an rohen Arzneistoffen und gewann dabei viele Erkenntnisse über deren Zusammensetzung.

Noch etwa zehn Jahre nach dem oben erwähnten Selbstversuch mit Chinarinde betrieb Hahnemann pharmakologische Studien und erforschte die homöopathische Pharmakologie. Dabei erfuhr er immer wieder, dass bei der Verabreichung der damals üblichen Arzneidosen bei Patienten neben Heilung auch Verschlimmerungen von Symptomen bis hin zu Gift-bedingte Nebenwirkungen auftraten (z. B. nach der Gabe von Tollkirsche, Bilsenkraut, Silbernitrat, Arsen und Quecksilber). Als Folge davon begann er, die jeweilige Arznei schrittweise zu verdünnen (mit Wasser, Alkohol; bei C- und D-Potenzen 1 : 10 bzw. 1 : 100; Fachbegriff: Dilution) und ließ jeder Verdünnungsstufe ein Verschütteln folgen (10 Schüttelschläge auf eine weiche Unterlage in Richtung Erdmittelpunkt; Fachbegriff: Dynamisierung). Die so hergestellte Arznei erwies sich als weitaus wirksamer und weniger schädlich.

Später entdeckte Hahnemann, dass er zur Behandlung chronischer Erkrankungen eine noch wirksamere Arznei herstellen konnte, und zwar durch Verreibung (Fachbegriff: Trituration) des Ausgangsstoffes mit Milchzucker bis hin zur Stufe C3 (Verdünnung 1 : 100) und eine weitere Verschüttelung mit Alkohol.

1837 bis 1842 entwickelte Hahnemann, zum Schluss im Alter von 87 Jahren, zusammen mit seiner zweiten Frau in Paris aus der C3-Verreibung die LM-Potenzen (auch Q-Potenzen genannt; Verdünnung 1 : 50 000) zur Behandlung von sehr sensitiven Patienten und um bei chronischen Erkrankungen die Gabe des Mittels häufiger wiederholen zu können.

Die längste Zeit seines Homöopathielebens befasste sich Hahnemann mit der Entwicklung des Potenzierungsverfahrens. Erst um 1800 entstanden erste Ansätze, die er bis zu seinem Lebensende verfolgte.

Was ist nun das Geheimnis der Homöopathie?

1821 sprach Hahnemann den Arzneisubstanzen eine geistartige Wesenheit zu – Kräfte, die zunächst erstarrt vorliegend nicht freigesetzt werden, sondern erst durch besondere Bearbeitung bzw. Zubereitung. Ergänzend erhält man nähere Informationen aus Hahnemanns Anmerkungen im § 270 zu den LM-Potenzen, in denen er den Vorgang der Potenzierung als „Aufschließung“ oder „Freisetzung“ des vorher in der rohen Materie vorhandenen „geistartigen Wesens“ der Arznei erklärt.

Erst 100 jahre später , 1942, übernahm Dr.Rudolf Flury die Herstellung und die Verabreichung der Potenzen Q/LM gemäß Anweisungen Hahnemanns aus der 6.Auflage des „Organons der Heilkunst“(§270)

Im § 269 von „Organon der Heilkunst“ und in Band 1 von „Die chronischen Krankheiten“ beschreibt Hahnemann den Prozess, dass infolge von Einwirken von Kräften auf die Ursubstanz in Form von Reiben (mit Pistill in der Reibschale) und Schütteln verborgene Kräfte, spezifisch für die jeweilige Substanz, aufgeschlossen  und freigesetzt werden. Auf diese Weise dynamisiert und potenziert wirken die Substanzen schließlich, unter Zuhilfenahme eines neutralen Trägers wie Milchzucker oder Alkohol, ganz natürlich durch Anregung der Selbstheilungskräfte dynamisch auf die Lebenskraft: ausgleichend und harmonisierend.

Erst 1827, nachdem Hahnemann wirklich alle Schritte seiner Herstellung (Verdünnen, Verreiben und Verschütteln) von Arzneisubstanzen ausreichend durchgeführt hatte, prägte er den Begriff Potenzierung. Dieser Begriff ist insofern ein weiteres wichtiges Fundament der Homöopathie. So wohnt  jeder Arzneikraft ein Zauber inne. Paracelsus spricht von der Manifestation eines bestimmten Prinzips in stofflicher Form (Mineralien, Pflanzen, Tiere), Albert Einstein von innewohnender Energie einer jeden Materie, bei deren Auflockerung der Grobstruktur als Ergebnis eine für diese jeweilige Substanz spezifische Information, mit spezifischem Energiemuster und tiefgreifender Wirkung, freigesetzt wird.

Punkt 4: Homöopathische Anamnese

In der Homöopathie sehen wir nicht die Krankheit losgelöst vom Patienten, sondern die Krankheitssymptome und die Person bilden eine Einheit. Ziel ist das Auffinden eines Similimum (siehe Punkt 1: Ähnlichkeitsgesetz) einer Arzneisubstanz, die diesem Gesamtbild entspricht.

In dieses umfassende Bild fließen neben den Beschwerden vielerlei Punkte des Patienten mit ein:

  • die Herkunftsgeschichte
  • die Biografie
  • die sozialen Umstände

sowie dessen

  • Wahrnehmungen (Erfahrungen, Assoziationen)
  • Konstitution (körperliche Verfassung)
  • Bedingungen (sog. Modalitäten)
  • Körpersprache
  • Emotionen
  • geistige Konzepte, Gedanken, Bilder, Visionen
  • Empfindungen auf tieferen Ebenen
  • energetische Wahrnehmungen – manchmal auch als Quelle der Substanz, die schließlich aus ihm, dem Patienten, spricht

Die Aufgabe von uns homöopathisch arbeitenden Therapeuten ist es, …

  • den Erkrankten im gegenwärtigen Moment wahrzunehmen
  • mit unserer ganzen Aufmerksamkeit
  • und alles sein zu lassen, wie es ist, ohne vorab zu deuten, Dinge vorwegzunehmen, etwas hineinzuinterpretieren und somit das entstehende Arzneimittel-„Bild“ mitzugestalten.

In Ergänzung zum Anamnese-Gespräch erfolgt die Einbeziehungen der körperlichen Befunde.

Im Anschluss erfolgt die Arzneimittelfindung durch das sogenannte Repertorisieren. Die Häufigkeit der Einnahme eines Homöopathikums und der Abstand der Wiederholung(en), die Potenz und die eventuell nötige Verabreichung zusätzlicher Mittel basiert auf den Regeln Samuel Hahnemanns.

Hahnemanns Verständnis der Findung des Similimum auf der Grundlage des „Organon der Heilkunst“ und die „Chronischen Krankheiten“, in einer homöopathischen Arznei durch Repertorisieren das Heilmittel zu finden, bildet nach wie vor die Grundlage der Verschreibung und wurde im Laufe der Jahre durch Erfahrungsberichte ergänzt und erweitert.

Punkt 5: Homöopathische Behandlung

Nach der Mittelgabe erfolgt die Begleitung des Verlaufs, die Verlaufsbeobachtung, gegebenenfalls mit wiederholter Gabe des Homöopathikums, mit einer Ergänzung oder auch mit einem Wechsel zu anderen Mitteln.

Je nach Tiefe des Krankheitsgeschehens kommen neben dem Konstitutionsmittel bzw. dem eigentlichen homöopathischen Arzneimittel auch Zwischenmittel zum Einsatz: Nosoden (Zubereitungen, die aus Krankheitserregern oder -sekreten hergestellt wurden), Urtinkturen, Schüßler-Salze und Organmittel, individualisiert und dem jeweiligen Stadium der geschwächten Lebenskraft (also dem Krankheitsstadium) angepasst.

Der individuelle Krankheitsprozess

Frühe Stadien einer Erkrankung sind häufig versteckt, sie zeigen sich subjektiv beim Erkrankten, auf einer Wahrnehmungs- und/oder Empfindungsebene. Eine Diagnose gibt es meist nicht, weil wirkliche funktionale Störungen oder pathologische Veränderungen fehlen. Hier liegt die Kunst der Homöopathie, die einzelnen Symptome auf der Ebene des Geistes und der Empfindung (eventuell, wenn vorhanden, auch auf Körperebene) wahrzunehmen, entsprechend dem Ähnlichkeitsgesetz das homöopathische Mittel, das diese Symptome in sich vereint, herauszusuchen und so ein Fortschreiten des Krankheitsprozesses zu vermeiden.

Die Geschichte und Entwicklung der Heilebenen der Homöopathie

Die Homöopathie hat in den letzten 200 Jahren große Entwicklungsschritte vollzogen. Hahnemanns pharmakologische Studien und sein homöopathischer Behandlungsradius bezogen sich auf den Körper und dessen Symptome, auf die Körperempfindungen und auf die beeinflussenden Umweltbedingungen.

Der Grundgedanke Hahnemanns wurde über viele Jahre fortgesetzt, ergänzt und erweitert durch große Homöopathen wie Adolf zur Lippe (1812-1888), Constantin Hering (1800-1880), Clemens Maria Franz von Boenninghausen(1785-1864)­ – sie hatten Zugang zu Hahnemanns Werken – weiterhin James Tyler Kent (1849-1916), Cyrus Maxwell Boger (1861–1935), Dr. Shankar Raghunath Phatak (1896–1981) u.a.

Die ursprüngliche homöopathische Arzneimittellehre wurde schließlich um Geistes- und Gemütssymptome erweitert – es entstand ein umfassenderes Bild, das sog. Arzneimittelbild nach Kent.

Das Sammeln von Symptomen – körperlich, geistig und im Gemüt – führte weiterhin zum Betrachten des Gesamtbildes des Patienten. Er wurde als Individuum angesehen, in dem sich alle Symptome vereinen. Entsprechend sind die Wirkebenen des homöopathischen Arzneimittels diesen „ähnlich“.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Systematisierung der homöopathischen Arznei erfolgte durch die Unterscheidung von Präparaten aus dem Mineral-, aus dem Pflanzen- und aus dem Tierreich nach Dr. Sankaran. Dessen Blick geht über die oben genannten Ebenen von Körper, Geist und Gemüt noch tiefer, ist durchschauender und umfassender in Bezug auf die Empfindungsebene („Empfindungsmethode nach Sankaran“). So ergründen wir Therapeuten, welches Energiemuster ein Patient in sich trägt und welchem Reich (Mineral-, Pflanzen- oder Tierreich) es entspricht. Dr. Sankaran spricht vom „inneren Lied“. Dabei handelt es sich gleichsam um eine innere persönliche „Software“, die bestimmt, auf welche Art und Weise wir die Welt wahrnehmen und wie wir darauf reagieren.

In all diesen drei Reichen finden wir außerdem jeweils Vergleiche mit den Stadien der Individuation („Individuationsprozess“ nach Carl Gustav Jung [1875–1961]). Dieses Model wurde von dem indischen Psychiater und Homöopath Dr. Mahesh Gandhi aufgenommen in die Homöopathie und wurde bekannt als das „M. Gandhi PEM Personal Evolution Modell“. Die Empfindungsmethode Sankarans, die Gliederung des Pflanzensystems von Yakir und die psychosozialen Entwicklungsstufen nach Ericson fließen in dieses Modell mit ein. Mit dieser umfassenden und tiefgehenden Sichtweise, die den Menschen auf den Ebenen Körper, Geist, Seele und Spiritualität erfasst, führt uns zu noch komplexeren Wahrnehmungen seiner Person und seiner Disharmonie/Erkrankung und unterstützt uns bei dem Auffinden des entsprechenden homöopathischen Arzneimittels / Similimum.

Im Unterschied zu unserem wirklichen, dem physischen, biologischen Alter haben wir unser „inneres Alter“. Alles, was wir empfinden, fühlen, denken, wahrnehmen ist ein Teil unseres Zustands, ein Ausdruck unserer persönlichen Entwicklung. Diesen Weg geht jeder von uns auf seine Weise. Dabei kann unser inneres Alter, welches diesem individuellen Entwicklungsweg entspricht, ganz anders sein als unser biologisches Alter. Durch dieses innere Alter bedingt sind wir sozusagen programmiert, Dinge zu erleben, die bestimmte Folgen und Einflüssen auf uns haben.

Durch zusätzliche Integration der Chakren in dieses PEM-Modell gibt Dr. Mahesh Gandhi weiterhin Erklärungen darüber, auf welcher energetischen Ebene (ggf. auch auf mehrere Ebenen) Störungen entstehen können und sich diese Ebene (dieses Chakras s. u.) entsprechend äußert. Energetische Grundlage unserer Evolution ist unsere Lebenskraft.  Bereits aus dem Yoga ist uns bekannt, dass ein Fließen der Lebenskraft durch die Harmonisierung der Chakren („Rad, das sich dreht“, ein vibrierender Lichtwirbel) erreicht wird.

Die Chakren stellen die Verbindung zwischen unserem feinstofflichen und physischen Körper dar. Jede Stufe, vom ersten bis zum siebten Chakra (mittlerweile sprechen wir von zwölf Chakren, wobei fünf sich außerhalb des Körpers befinden), entspricht unserem Individuationsprozess, vom Körperlichen bis hin zum spirituellen Sein, von unserer individuellen und kollektiven Seelenentwicklung. Durch Bewusstmachen, auf welcher Ebene die Störung liegt, und mit Zuhilfenahme der

jeweils diesem entsprechenden Stadium aus dem korrespondierenden Reich, der Pflanze, dem Tier oder dem Mineral können tiefgreifende Heilungsprozesse in Gang gesetzt werden. Die Homöopathie wirkt also jeweils auf den Energieebenen der Chakren und harmonisiert hier die Lebenskraft.

Ein weiteres tiefes Verständnis für die Wirkebenen der homöopathischen Arznei entwickelte sich in den letzten 25 Jahren durch Witold Ehrler und Jürgen Becker (2017 †). Grundlage für die von Ehrler initiierten Milchzuckerverreibungen des Ausgangsstoffes von Hand (bis zur C4-Stufe) waren die von Hahnemann bekannten Verreibungsstufen. Wir sprechen von Verreibungsresonanzphänomemen – Erlebnis-, Erfahrungs- und Erkenntniszugang zu den Arzneikräften während der homöopathischen Verreibung und zwar durch intensiven Kontakt des Verreibers mit der „Substanzwesenheit“ der Arznei. Der Verreiber tritt mit ein in dieses dynamische Kraftfeld der Arznei und erfährt sie. Dabei wird auch die geistig-seelische Ebene für Resonanz geöffnet. Die auf diese Weise entstandenen Stufen der Arzneimittelbilder können eine Auswirkung bis tief in den menschlichen Seelenkern haben und dort große Heilungsprozesse anstoßen.

Ich habe nur einige wenige Homöopathen und ihre Beiträge zur Weiterentwicklung der Homöopathie basierend auf den Grundgedanken Hahnemanns genannt. Zahlreiche weitere Homöopathen haben mit ihrer unermüdlichen Arbeit die Materia Medica (Hom.Arzneimittellehre) bereichert, Repertorien (geordnet nach Symptomen)ergänzt und Entwicklungsmodelle hinzugefügt. Sie alle zusammen können einen so großen Beitrag leisten unser Leben im Fluß mit der Lebenskraft und bewußt zu führen.